Unser IPA Wien Mitglied Karl Mitsche hat sich einen Lebenstraum erfüllt. Trotz seines Alters (Geburtsjahr 1945) hat er auf dem Segelfrachtschoner "Tres Hombres" angeheuert und 8 Wochen diesen Traum gelebt. Hier sein Bericht.

Sollte jemand nähere Informationen wünschen oder mit Karl Mitsche in Kontakt treten wollen, dann bitte ein kurzes Mail an klublokal.wien@ipa.at

 


 

54 Tage  auf einem Segelschoner

in der Karibik und am Atlantik

Bericht  und Fotos (c) Karl Mitsche

 

 


























Nach 40 Segeltörns, davon einer in der Südsee und vier in der Karibik, ist nun bei mir der Wunsch über den

Atlantik zu segeln immer größer geworden.Auf der Boot in Tulln habe ich Leute von der "Tres Hombres Austria" kennengelernt, die Produkte wie Rum, Schokolade, Thunfischkonserven etc. verkauft haben,  die vom Segelfrachtschiff „Tres Hombres“ von der Karibik nach Amsterdam transportiert werden.

Dazu wurden auch Mitsegelmöglichkeiten vorgestellt, welche  mich gleich interessiert haben. Nachdem das Schiff  von Amsterdam in die Karibik und zurück ein halbes Jahr unterwegs ist, habe ich für die Teilstrecke von Boca Chica auf der Dominikanischen Republik bis nach Horta auf der Insel Faial auf den Azoren für die Zeit vom 3.Jänner bis 11.Februar 2016 einen Traineevertrag als Deckhand abgeschlossen.

Die Tres Hombres ist eine Schonerbrigg mit 32 Meter Länge, 315 Quadratmeter Segelfläche, verteilt auf 12 Segel, 35 Tonnen Ladevolumen. Sie hat  fünf  ausgebildete Crewmitglieder und es können 10 Trainees mitsegeln.

Das Schiff wurde 1927 gebaut, umgebaut und in den 90er Jahren für den Zweck, auf Fairtrade Waren zu transportieren als Segelfrachtschiff neu saniert und unter der Flagge von Vanuatu registriert. Das ist nur dort für Frachtsegelschiffe ohne Motor möglich.

Es gibt am  Schiff keine elektrisch betriebenen Ankerwinsch. Nur für Navigation, Funk, Signallichter und die Beleuchtung unter Deck werden zwei Windgeneratoren und Solarpaneele als Stromquelle herangezogen und ein Schleppprobeller eingesetzt.

Am 2.Jänner bin ich von Wien via Köln mit der Eurowings in die Dominikanische Republik nach Punta Cana geflogen. Die Touristenkarte hatte ich schon in Wien geordert und auch der Transfer zu dem Appartement in Boca Chica, das ich auch vorgebucht hatte, klappte. Zu dem Ort Boca Chica, hinter einem Riff mit zwei Kilometer feinem weißen Sand gelegen, ist zu sagen, dass er eigentlich der Hausstrand für die  35 km entfernte Hauptstadt Santo Domingo ist, weil es dort nur Steilküste gibt.

Am 3.Jänner sollte meine Segelreise beginnen, diese wurde aber vor der geplante Abreise auf den 8.Jänner verschoben, weil das Schiff durch Flaute und Wareneinkauf in Barbados aufgehalten wurde.

Diese Verzögerung stellte sich als durchaus angenehm heraus, weil ich dadurch auch Zeit für einen  Ausflug in die geschichtsträchtige Hauptstadt Santo Domingo unternehmen konnte, wo ich die Tropfsteinhöhlen „Les Tres Ojos“,  ein Bernsteinmuseum, die Kolonialstadt mit der Kathedrale „Santa Maria La Menor“ und den Kolumbuspalast besichtigen konnte. Bei einer Safari ins Landesinnere hatte ich Gelegenheit, auf einem Pferd zu einem Wasserfall zu reiten, und auf einer Farm Zigarren zu drehen. Nach einer Führung durch den Wald konnte man Früchte, Agavenhonig, Zuckerrohr sowie  Vanille verkosten und  bei der Verarbeitung von Kaffeebohnen und Kakao zusehen.

Inzwischen lernte ich auch schon einen Vorarlberger und eine Norwegerin kennen, welche ebenfalls als  Trainee gebucht haben.

Nachdem wir im Internet tagelang eine unveränderte Schiffsposition bei der Insel Marie Galante  feststellen mussten, wurden wir unruhig und fragten bei der Agentur nach. Diese Situation wurde uns bestätigt, und weil mit einer längeren Verzögerung zu rechnen war, ist die Weiterreise nach Marie Galante finanziert worden.

Am 10. Jänner sind wir dann von Santo Domingo nach Antigua und von dort weiter nach Pointe-A-Pitre auf Guadaloupe geflogen, wo wir nahe dem Fährhafen im bekannten Hotel Saint-John nächtigten.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der Fähre zu der südlichen Insel Marie-Galante nach Saint-Luis wo die Tres Hombres ankerte. Dort war die Besatzung des Schiffes voll beschäftigt, in alter Tradition, mit Ochsenkarren gebrachte Rumfässer auf gebauten Bambusflößen zum ankernden Schiff zu bringen.

Am Nachmittag wurden wir an Bord gebracht, wo mir nach einem Schiffs-Rundgang im Bug eine von 8 Kojen zugewiesen. Viel Komfort gibt es nicht. Der Einstieg und Niedergang unter Deck ist nicht einfach, es war weder Waschbecken noch Dusche vorhanden und nur ein WC für alle am Heck, eine Kiste für die Bekleidung und ein kleines  Ablegefach.

Am nächsten Tag begann die Einschulung: Schiffsausrüstung, Segel, Leinenführung, Sicherheitsmaßnahmen und auch die Verpflegung. Die Essenszeiten sind insbesondere bei Wachdienst einzuhalten. Für zwischendurch gibt es am Tisch ein Fach, wo sich Brot, Obst Aufstriche ect., befinden,  und man sich immer etwas  nehmen kann. An Bord herrscht strengstes Alkoholverbot.

Es ist auch nicht leicht, sich alle Bezeichnungen am Schiff, die Segel, Leinen, Befehle zu merken, weil Englisch Bordsprache ist. Nach der Übung, am Vormast auf den Wanten bis zur Ersten Plattform zu klettern, wurde ich bei der Verladung der  Rumfässer mit 185 und 200 Liter von der Firma Rhum Bielle in den Cargoraum eingesetzt, welche mit Flaschenzügen erfolgte

Nach vier Tagen Arbeit mit der Verladung und Sicherung der Rumfässer, sowie einen Ausflug zur Rumfirma, wo es eine Führung gab, haben wir am 15. Jänner nach einen Probeschlag mit den Leuten dort und für Filmaufnahmen den Anker gehoben. Eine körperlich anstrengende Tätigkeit. Mit einer Ankerwippe-ähnlich einer Eisenbahn Draisine -  sind vier Leute 20 Minuten beschäftigt, die Kette mit dem Anker über eine Ankerspill hochzuholen.

Auf dem Schiff begannen schließlich auch die täglichen Arbeiten.

Man wurde in einen Wachdienst eingeteilt sechs Stunden am Tag, vier in der Nacht, wo man zu Arbeiten eingesetzt wurde  wie Segel setzten / bergen, Leinen aufschießen, Deckschruppen, Nagelbank abschleifen und mit Leinöl streichen, alten Lack und Rost entfernen und neu streichen, in der Nacht Brot backen usw.

Man wurde auch am Ruder eingeteilt oder auf Wunsch steuern.

Für mich war das alles in Ordnung, weil die Berufsseefahrt eine eigene Welt ist, und man sonst keine Möglichkeit hat, so etwas zu erleben. Und alles, was Freude bereitet, empfindet man nicht als Belastung, auch wenn es oft fordernd und anstrengend ist. Schließlich beträgt der Wachdienst an einem Tag 10 und an einem Tag 14 Stunden.

Am 19. Jänner segelten wir in der Dominikanischen Republik vor dem Hafen Port Andres bei Boca Chica, um dort anzulegen. Leider gab es mit der Hafenbehörde Probleme, so mussten wir umkehren und segelten bis zum nächsten Tag zu Mittag wieder bis zur Insel Isla Catarina, wo wir schon vorher gewesen waren und mit der vorbereiteten, 50 Meter langen Kette ankerten.

Nach einer Nacht unter Anker segelten wir zurück nach Port Andres, wo am 21. Jänner bei Abenddämmerung  ein einmaliges beeindruckendes Anlegemanöver unter Segel erfolgte. Details siehe Homepage: http://fairtransport.eu/anlegemanoever-in-porto-andres-by-karl-mitsche

Mit diesem Abschnitt habe ich  auf der Karibischen See 560 Seemeilen zusätzlich zur gebuchten Teilstrecke zurückgelegt.

Bis zum Ablegen am 5. Februar waren am Schiff verschiedene Erhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen, sowie Vorbereitungen für die nächste Etappe zu erledigen. Die Leute, welche stundenlang in den Rahen arbeiteten und Blöcke reinigten, beneidete ich nicht. Wenn ein Motorboot vorbeifuhr, pendelte der Mast

1-2 Meter aus. Zu diesen Arbeiten kam an mehreren Tagen noch die Verladung der angelieferten Waren  wie Rumfässer, etliche Säcke Kaffeebohnen mit 6o kg, Kartons mit 30 kg Kakaobutter, Melassefässer in den Cargoraum.

Am Abend gab es auch einige Landgänge und Lagerfeuer mit Grill und Discomusik beim Liegeplatz. Ich habe immer sehr gut geschlafen, noch besser, weil ich im Mittelschiff in eine 2er Kabine wechseln konnte.

Am 5. Februar war es dann soweit: Hafenbehörde, Zoll mit Hund und Polizei sind an Bord gekommen und haben geprüft und kontrolliert ob alles den Vorschriften entspricht. Leider musste ein neuer Trainee von Bord gehen, weil er keine Einreise-Papiere für die EU besaß. Da es sich ein weiterer von der Insel Galanter überlegt hatte nicht mitzusegeln und für drei in Boca Chica die Reise endete,  waren wir nur mehr 10 Leute für die Überfahrt  zu den Azoren - wobei zu berücksichtigen ist, dass der Master und der Koch nicht für die Wache eingeteilt werden.

Beim Ablegemanöver war wieder volle Konzentration gefordert, weil das Schiff unter Segel vom Anlegeplatz um 180 Grad Richtung Ausfahrt manövriert werden musste.

Bis zur Mona Passage zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico waren die Windverhältnisse gegen uns. Wir mussten zweieinhalb Tage aufkreuzen, wobei größere Segelmanöver bei Wachwechsel von der ganzen Besatzung durchgeführt wurden. Besonders in der Nacht und in der Dunkelheit - Licht war nicht erlaubt -  war das eine eigene Herausforderung. Eine Wende dauerte immerhin ca. 20 Minuten mit dem anschließenden Aufschießen der Schoten und Leinen.

Nicht vorgesehen war eine Kontrolle durch die Cost Guarde.  Sie ist nicht an Bord gekommen, sondern der Master und Begleitung mussten zu deren Schiff, wofür der Optimist herangezogen wurde. Was für ein Anblick: zwei Männer rudernd auf einer Nussschale im Meer! Nachdem wir den Atlantik erreicht hatten, gab es guten Wind, und der Kurs war auch richtig, bis wir in Flautengebiet kamen.

Ich war verwundert, warum wir dann nach Süden bzw. Südosten segelten, wo unser Ziel doch im Nordosten liegt.  Da wurde ein wichtiges Kapitel beim Segeln wieder geöffnet. Die Meteorologie.  Wir mussten vorhandenen unangenehmen Tiefs ausweichen und rechtsdrehende Hochs mit aufbauenden Isobaren suchen.

Wir hatten eine abwechslungsreiche Überfahrt, hart am Wind mit bis zu sechs Beauforts zu den Azoren. Insgesamt 27 Tage im gleichen Rhythmus, 6 Stunden Wache am Tag, 4 Stunden in der Nacht, dazwischen Essen und Schlafen.

Nicht erwünschte Vorfälle waren: Mainsegel eingerissen, drei Falls gerissen, zwei Holznägel gebrochen.

Für mich als Senior auf dem Schiff war es schon teilweise anstrengend und In punkto Schnelligkeit konnte ich mit den Jüngeren nicht immer mithalten, aber es wurde kameradschaftlich darauf Rücksicht genommen. Die Nachtwachen waren für alle schwierig, weil man Strategien zum Wachbleiben finden musste.

Die Herausforderung im Hafen von Horta auf der Insel Faial unter Segel anzulegen, wurde gut gemeistert und wieder zum Erlebnis. Besonders die Hafenmauer ist dort sehenswert,  weil sich die Jachtbesatzungen mit bunten Malereien verewigen, um mögliches Unglück auf See abzuwenden.

Ich habe dort noch schöne Eindrücke nach einer Inselrundfahrt mitnehmen können.

Am 4. März ging ich schließlich nach insgesamt 3460 Seemeilen von Bord und flog via Lissabon nach München. Am 5. März mit dem Bus weiter nach Wien. Nach dieser außergewöhnlichen Seereise mit im Gepäck viele bleibende Eindrücken und interessanten Erfahrungen.

Für mich ist jedenfalls ein Traum wahr geworden. So ganz allein auf dem Ozean und ganz nah an der Natur zu sein war schon sehr beeindruckend.

So viel Natur und Herausforderungen erlebt und neue nette Leute  kennenlernen, einen Pottwal und Delphine sehen, traumhafte Sonnen-, Mond- Auf- und Untergänge erleben und den Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens beobachten können....

Mehr Infos, Fotos und Aktuelles von der Tres Hombres sind auf http://fairtransport.eu/ships/tres-hombres/ zu finden. Wer sich für Produkte interessiert: Diese können in Österreich unter der Hompage www.treshombres.at bezogen werden.

 

Charly