Franz Berger

Mitglied des Landesgruppenvorstandes von 1983 bis 2015

Mitglied im Internationalen Vorstand in der Internationale Kommission für Außenbeziehungen der IPA von 2002 bis 2015

Ruhe in Frieden

 

Am 10. März1932 wurde Franz Berger in Wien Favoriten geboren. Unmittelbar nach der Geburt wurde er von seiner Mutter der Kinderübernahmestelle der Gemeinde Wien in der Lustkandlgasse übergeben.

Nach sechs Monaten brachte man ihm zu seinen neuen ,,Zieheltern" in Laa an der Thaya wo er aufwuchs und die Schule besuchte. Die Jahre seiner Kindheit sind nicht als besonders schön zu bezeichnen. Es waren fallweise 4 - 5 Kinder bei der Pflegefamilie.

Die Zukunftsaussichten schienen auch nicht rosig zu sein. Franz hatte viele Stellen-Ansuchen verschickt. Alle waren ergebnislos.

Da kam er zufällig mit einem Wiener Polizeibeamten ins Gespräch. Der versprach ihm zu helfen. Gesagt getan. Franz schickte sofort ein Ansuchen an die Wiener Bundespolizeidirektion. Allerdings erhielt er nur die Nachricht „Sie bleiben in Vormerkung”.

Erst nach einem Jahr Wartezeit erfolgte dann die Aufnahmeprüfung. Prüfung und Gesundheits-Check waren kein Problem. Einmal hat Franz erzählt, dass er sich nur Sorgen wegen seiner Größe gemacht hat. Als er dann sah, dass der „Hofrat“ der die Aufnahme leitete noch kleiner war als er, war er beruhigt.

Der Start in den Polizeidienst erfolgte im Dezember 1952.

Er absolvierte für 2 Jahre die Grundausbildung der Wiener Sicherheitswache. Natürlich mit Bravour bestanden. In dieser Zeit lernte er auch seine spätere Gattin Inge kennen und schätzen. Sie begleitet Ihn über 60 Jahre als treue Begleiterin in allen Lebenslagen und er betonte immer wieder, dass er durch sie den Zugang zu Bildung und Kultur erhalten hatte.

Sport war bei Franz immer groß geschrieben. Sein damaliger Lieblingssport war „Judo“". Nicht viele wissen, dass er „Österreichischer Polizei-Staatsmeister“ und „Wiener Polizeimeister“ im Leichtgewicht war. Auch im hohen Alter spielte er noch regelmäßig Tennis.

Nach der Polizeischule begann der übliche Weg eines jeden Polizisten. Vorerst Wachzimmer Quellenstraße. Erste Dienstbeschreibung „Ausgezeichnet“ wurde von der Dienstbehörde mit der Begründung „Noch zu jung“ abgelehnt. Ab nächstem Jahr dann Zustimmung. Er wohnte zu dieser Zeit noch in der Polizeikaserne.

Am 21. Juli 1956 heiratete Franz seine Inge. Die erste kleine gemeinsame Wohnung war in Meidling. Am 8. Oktober 1960 wird der Sohn Christian geboren, der sich so entwickelt hat, wie es sich Franz und Inge gewünscht haben.

Kurz darauf übersiedelte die Familie in eine Eigentumswohnung.

Dann 1965 der Chargenkurs. In der Folge übernahm er die Aufgabe als Wachkommandant im Schulwachzimmer Wurmsergassse, später am Schulwachzimmer Oelweingasse. Dabei war eine seiner wichtigen Aufgaben die praktische Ausbildung unzähliger Polizeischüler als Praxislehrer, aber auch die Ausbildung künftiger „Dienstführender“ Beamter.

In den Jahren 1974 -1976 war er als ,,Lehrbeauftragter des Innenministeriums” für Selbstverteidigung in verschiedenen Sportschulen als Instruktor eingesetzt.

Franz lernte professionell Englisch und legte im Innenministerium die kommissionelle Prüfung ab. Ab 1970 war er regelmäßig als Übersetzer, Dolmetsch und Prüfer in englischer Sprache für die Bundespolizeidirektion Wien und das Innenministerium eingesetzt.

Aufgrund der guten Sprachkenntnisse bewarb er sich bei den „Vereinten Nationen“ als UN-Polizist in Zypern: Zunächst für 6 Monate. Er versah seinen Dienst als Angehöriger von UNVIVPOL (United Nations Civilian Police) in Nikosia im „GeneraI Duty"-Büro.

Nach einem Jahr Pause kam dann ein neuerlicher Einsatz, diesmal für 1 Jahr als Wachkommandant in Nikosia und Larnaca. Ein weiteres Jahr Pause, dann wieder Einsatz für 1 Jahr. Diesmal aber ist die Familie mit dabei.

Franz darf außerhalb seiner Dienstzeit bei seiner Familie wohnen. Wieder Pause und dann letztmalig ein Einsatz für 6 Monate in Zypern. Damit war dann Schluss dieses Lebensabschnittes.

Wieder zurück in Wien erfolgte die Dienstversehung wie vorher im Schulwachzimmer Oelweingasse.

1970 lernte er die International Police Association (IPA) kennen und war gleich Feuer und Flamme für diesen Verein. Aufgrund seiner Englisch Kenntnisse war er ein absoluter Gewinn für die IPA.

Bei der 12. Vollversammlung im Jahre 1983 wurde er in den Wiener Landesgruppenvorstand kooptiert. Er erledigte den englischen Schriftverkehr und betreute englischsprechende Besucher und Gruppen. Bei seinen Kollegen am Schulwachzimmer wurde er wegen seiner Überzeugung freundschaftlich „Mr. IPA“ genannt. Er konnte den jungen Kolleginnen und Kollegen den Gedanken der IPA perfekt weitergeben.

So nebenbei, auch der heutige Landesgruppenobmann der Landesgruppe Wien wurde von Franz Berger von der großen internationalen Idee überzeugt.

Die große IPA Karriere startete er aber 2002 als er als Mitglied in die ERC (Internationale Kommission für Außenbeziehungen der IPA) und als solcher als Repräsentant der International Police Association bei den Vereinten Nationen berufen wurde.

Dies sollte seine Lebensaufgabe werden. Sein Einstieg war nicht einfach. Musste er doch bei null beginnen. Seine Zypernerfahrung hat ihm dabei sehr geholfen.

Nach einigen Jahren des Eingewöhnens, viele Tage und Stunden die er in den Plenarsälen verbrachte, das UN-Englisch und die Phrasen die nur dort verwendet werden lernte, fragte ihn der Direktor von UNODC: „Warum schreiben sie nicht ihr Wissen für die Delegierten nieder?“.

Gesagt getan. Franz konnte beweisen, dass ein einfacher Polizist im Plenum sehr wohl mithalten kann und lieferte in den Folgejahren zahlreiche Statements über Drogen, Kindesmissbrauch, Korruption, Organisierte grenzüberschreitende Kriminalität, Menschenhandel an das Sekretariat der jeweiligen Kommission.

Auch „Reden" hat er gelernt. Wiederholt hat er im Plenum über polizeibezogene Themen vor manchmal bis zu 600 Delegierten aus aller Welt gesprochen.

Er war bei Kongressen in New York, Genf, Brüssel (EU) und Paris (UNESCO). Er konnte dort „Kurzvorträge“ über seine Arbeit halten. Er hat aber auch immer wieder bei einigen anderen nicht politischen NGOs mitgearbeitet.

Der Höhepunkte seiner Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen (UNODC) war im Jahr 2015.

Drei große Ereignisse waren der Abschluss seiner Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen.

  1.  Das Statement über DROGEN auf der Tagesordnung der Generalversammlung der Vereinten Nationen (höchstes Gremium der UN) „Best gereiht"

  2. Die Übergabe der IPA Resolution ,,HUMAN RIGHTS“ (in Leinen gebunden) an einen ranghohen Diplomaten des UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime).

  3. Die Einladung durch den Amerikanischen UN Botschafter zu einer ,,Breakfast-Round-Table Discussion" im ältesten Caferestaurant Wiens.

In den letzten Jahren laborierte Franz an einer heimtückischen Krankheit. Tapfer hat er die erforderlichen Behandlungen über sich ergehen lassen. Immer wenn seine Kräfte es dazwischen zuließen, nahm er seine Aufgaben in der IPA Gemeinschaft wahr. Sogar die regelmäßige Teilnahme an den Geschäftssitzungen der Landesgruppe Wien nahm er als hohe Pflicht und kam oft zwischen zwei Behandlungen um seinen Beitrag abzuliefern und fuhr danach wieder unmittelbar ins Krankenhaus.

Franz wurden im Laufe seiner Zeit die verschiedensten Auszeichnungen verliehen:

·       UN — Verdienstmedaille (In Service of Peace)

·       Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich

·       Silbernes Verdienstzeichen des Landes Wien

·       Verdienstzeichen für 30 Jahre Exekutivdienst

·       GOLDENER Rathausmann der Stadt Wien, überreicht von Bürgermeister Dr. Helmut Zilk (angeblich als erste Polizist)

·       CUM LAUDE Ring in Silber der ,,Kronenzeitung”

Dazu kommen zahlreiche Dekrete der UN und der Polizei

Von der IPA erhielt er die verschiedensten Verdienst-und Ehrenmedaillen.

Unter anderem

·       Verdienstzeichen der IPA 0sterreich

·       Ehrennadel

·       Ehrenmedaille

·       Große Ehrenzeichen

·       SILVER MEDAL des Intern. Vorstandes der IPA

Franz Berger der Inbegriff eines internationalen Polizisten, ein Urgestein unserer Philosophie und unserem Motto „Servo per amikeco“ – „Dienen in Freundschaft“ stets treu.

Am 2. Juli ist Franz im Beisein seiner lieben Gattin so ruhig wie er sein Leben bezwungen hat, eingeschlafen.

So endete der ,,Lange Weg” vom Pflegekind bis zum Sprecher bei den Vereinten Nationen.

Ruhe in Frieden lieber Franz